ETF kaufen Schweiz:
Der komplette Einsteiger-Guide
Was sind ETFs, wie kaufe ich sie, welcher Broker passt zu mir: und wie werden ETFs in der Schweiz versteuert? Alles auf einer Seite.
Was sind ETFs?: Die Grundlagen einfach erklärt
ETF steht für Exchange Traded Fund: auf Deutsch: börsengehandelter Fonds. Ein ETF ist ein Investmentfonds, der an der Börse gehandelt wird wie eine normale Aktie. Das Besondere: Ein ETF bildet einen Index nach. Das bedeutet, er investiert automatisch in alle Unternehmen, die in einem bestimmten Index enthalten sind: zum Beispiel in die 500 grössten US-Unternehmen (S&P 500) oder in über 1’600 Firmen weltweit (MSCI World).
Im Gegensatz zu einem klassischen Fonds gibt es beim ETF keinen aktiven Fondsmanager, der täglich entscheidet, welche Aktien er kauft und verkauft. Der ETF folgt stumpf dem Index. Das hat einen entscheidenden Vorteil: Die Kosten sind dramatisch tiefer. Während ein aktiver Fonds oft 1,5 bis 2,5 Prozent pro Jahr kostet, liegen die Kosten eines guten ETF bei 0,05 bis 0,3 Prozent pro Jahr.
Der Unterschied zu Einzelaktien ist ebenfalls fundamental. Wenn du eine Aktie von Nestlé kaufst, bist du von der Wertentwicklung eines einzigen Unternehmens abhängig. Wenn Nestlé schlecht läuft: oder im schlimmsten Fall pleite geht: verlierst du einen Grossteil deines investierten Kapitals. Ein ETF auf den MSCI World hingegen enthält über 1’600 Unternehmen aus 23 Ländern. Wenn ein einzelnes Unternehmen in Schwierigkeiten gerät, macht das kaum einen Unterschied für dein Portfolio.
💡 ETF auf einen Blick
Ein ETF ist wie ein Korb voller Aktien. Du kaufst den Korb: und besitzt automatisch kleine Anteile an allen Unternehmen darin. Günstig, transparent, diversifiziert.
Warum ETFs statt Einzelaktien oder aktiven Fonds?
Die wissenschaftliche Evidenz ist eindeutig: Die grosse Mehrheit der professionellen Fondsmanager schlägt den Markt über längere Zeiträume nicht. Studien zeigen immer wieder, dass nach Abzug der Gebühren mehr als 80 bis 90 Prozent der aktiv verwalteten Fonds schlechter abschneiden als ihr Vergleichsindex. Und das über einen Zeitraum von zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahren.
Warum also solltest du höhere Gebühren zahlen für eine Leistung, die du mit einem einfachen ETF günstiger: und im Schnitt besser: bekommst? Die Antwort lautet: Es gibt keinen guten Grund dafür. Der ETF-Ansatz ist nicht sexy, aber er funktioniert. Warren Buffett, einer der erfolgreichsten Investoren aller Zeiten, empfiehlt einfache Indexfonds für die grosse Mehrheit der Privatanleger.
Die Vorteile von ETFs im Überblick:
- Breite Diversifikation: Ein ETF auf den MSCI World enthält über 1’600 Unternehmen aus 23 Ländern. Das Risiko ist breit gestreut.
- Tiefe Kosten: Die jährliche Verwaltungsgebühr (TER: Total Expense Ratio) liegt bei guten ETFs unter 0,2 Prozent.
- Transparenz: Du weisst jederzeit genau, was in deinem ETF steckt. Kein Fondsmanager, der hinter verschlossenen Türen handelt.
- Handelbarkeit: ETFs werden börsentäglich gehandelt. Du kannst jederzeit kaufen und verkaufen.
- Einfachheit: Du musst keine Unternehmen analysieren, keine Bilanzen lesen und kein wirtschaftliches Expertenwissen mitbringen.
- Nachgewiesene Rendite: Breite Aktienindizes haben historisch langfristig positive Renditen erzielt: im Schnitt 7 bis 10 Prozent pro Jahr (nominal, vor Inflation).
Wie kaufe ich ETFs in der Schweiz?: Schritt für Schritt
ETF kaufen ist technisch gesehen nicht schwieriger als eine Online-Überweisung. Es braucht aber einige Vorbereitungsschritte. Hier ist der Ablauf von Anfang bis zur ersten Order.
Broker auswählen
Du brauchst ein Wertpapierdepot bei einem Broker. Für Schweizer Einsteiger empfehlen sich Anbieter wie DEGIRO (günstig, europäisch reguliert), Swissquote (Schweizer Bank, FINMA-reguliert) oder Interactive Brokers (günstig für grössere Portfolios). Vergleiche die Kosten sorgfältig: sie machen über Jahre einen grossen Unterschied.
Depot eröffnen und Identität verifizieren
Die Kontoeröffnung läuft vollständig online ab. Du gibst deine persönlichen Daten ein und verifizierst deine Identität: entweder per Video-Ident (mit Ausweis vor der Kamera) oder durch Hochladen von Dokumenten. Das dauert in der Regel 10 bis 30 Minuten. Dann wartest du auf die Freischaltung, die meistens innerhalb von 1 bis 3 Arbeitstagen erfolgt.
Geld einzahlen
Überweise den gewünschten Betrag auf dein Depot-Konto. Die IBAN findest du nach der Kontoaktivierung im Broker-Portal. Je nach Broker dauert die Gutschrift 1 bis 3 Bankarbeitstage.
ETF suchen
Suche im Broker-Portal nach dem gewünschten ETF. Du kannst nach dem Namen suchen (z.B. „MSCI World“) oder nach der ISIN: einem internationalen Wertpapieridentifikationscode (z.B. IE00B4L5Y983 für den iShares Core MSCI World ETF). Achte auf: Domizil des ETF (Irland oder Luxemburg ist optimal), TER (je tiefer desto besser), Fondsgrösse (über 1 Milliarde CHF/EUR bevorzugen) und Replikationsart (physisch besser als synthetisch für Einsteiger).
Order aufgeben
Klicke auf „Kaufen“ und gib die Anzahl Anteile oder den Betrag ein. Für Einsteiger empfiehlt sich eine Limit-Order, bei der du den Höchstpreis festlegst, den du zahlen willst. Eine Market-Order wird sofort zum aktuellen Marktpreis ausgeführt. Bestätige die Order: und fertig. Du bist Investor.
Regelmässig sparen: Sparplan einrichten
Der grösste Hebel beim ETF-Investieren ist die Regelmässigkeit. Viele Broker ermöglichen automatische Sparpläne: jeden Monat wird ein fixer Betrag automatisch in deinen ETF investiert. Das nennt sich Cost-Averaging: du kaufst mal teuer, mal günstig, und glättest damit den Einstiegspreis über Zeit.
Welcher Broker ist der günstigste für Schweizer?
Die Wahl des Brokers ist eine der wichtigsten Entscheidungen beim ETF-Investieren. Denn Gebühren, die klein erscheinen, summieren sich über Jahre zu grossen Beträgen. Hier ein kurzer Überblick über die drei meistgenannten Optionen für Schweizer Anleger:
Swissquote
Swissquote ist die bekannteste Schweizer Online-Bank und ist von der FINMA reguliert. Das bedeutet: dein Depot ist durch das Schweizer Bankengesetz geschützt. Swissquote bietet einen offiziellen Schweizer Steuerauszug, der direkt in die Steuererklärung eingefügt werden kann. Die Handelsgebühren sind vergleichsweise hoch (ab CHF 9 pro Order je nach Volumen), und es gibt eine Depotgebühr. Für Anleger, die Wert auf maximale Schweizer Rechtssicherheit legen, ist Swissquote die erste Wahl.
DEGIRO
DEGIRO ist ein niederländischer Online-Broker, der zu Flatex gehört und in Europa BaFin-reguliert ist. Die Handelsgebühren sind sehr tief: viele ETFs können sogar kostenlos oder für wenige Cent gehandelt werden. Es gibt keine Depotgebühr. Der Nachteil: DEGIRO bietet keinen vollständigen Schweizer Steuerauszug; du musst Dividenden und Kapitalerträge selbst korrekt in der Steuererklärung angeben. Für kostenbewusste Einsteiger mit etwas steuerlichem Eigenengagement ist DEGIRO sehr attraktiv.
Interactive Brokers (IBKR)
Interactive Brokers ist einer der grössten Broker weltweit und bietet extrem günstige Konditionen, besonders für grössere Portfolios. Ab einem Depot-Volumen von USD 100’000 entfallen die Mindestgebühren. Die Plattform ist mächtig, aber für absolute Einsteiger etwas komplex. Interactive Brokers ist bei der FINRA (USA) und weiteren europäischen Aufsichtsbehörden reguliert. Einen Schweizer Steuerauszug gibt es nicht automatisch: die Formulare müssen manuell zusammengestellt werden.
→ Den vollständigen Vergleich mit allen Anbietern findest du in unserem Broker Vergleich Schweiz 2026.
Steuerliche Behandlung von ETFs in der Schweiz
Das Steuersystem in der Schweiz ist für Privatanleger in einem zentralen Punkt sehr vorteilhaft: Es gibt keine Kapitalgewinnsteuer für Privatanleger. Das bedeutet: Wenn du einen ETF kaufst und er steigt im Wert: egal ob um 10’000 oder 100’000 Franken: zahlst du auf diesen Kursgewinn null Franken Steuern, sofern du als Privatanleger und nicht als gewerbsmässiger Händler eingestuft bist.
Das klingt fast zu gut, um wahr zu sein: und tatsächlich gibt es einige Steueraspekte, die du kennen musst:
Verrechnungssteuer (Quellensteuer auf Schweizer Dividenden)
Auf Dividenden von Schweizer Unternehmen erhebt der Bund eine Verrechnungssteuer von 35 Prozent. Diese wird direkt einbehalten. Du kannst sie jedoch in der Steuererklärung zurückfordern: vollständig, wenn du korrekt deklarierst. Bei ausländischen Dividenden gibt es je nach Land unterschiedliche Quellensteuern, die teilweise zurückgefordert werden können.
Eidgenössische Stempelabgabe (Umsatzabgabe)
Beim Kauf und Verkauf von Wertschriften fällt die Stempelsteuer an. Bei inländischen Wertschriften beträgt sie 0,075 Prozent pro Transaktion, bei ausländischen 0,15 Prozent. Das ist relativ gering, sollte aber in die Gesamtkostenrechnung einbezogen werden. Wichtig: Die Stempelabgabe fällt nur an, wenn du über einen Schweizer Broker handelst oder mit einem ausländischen Broker, der in der Schweiz steuerpflichtig ist.
Einkommenssteuer auf Dividenden
Ausgeschüttete Dividenden eines ETF musst du als Einkommen deklarieren. Das gilt unabhängig davon, ob der ETF ausschüttend oder thesaurierend (wiederanlegend) ist. Bei thesaurierenden ETFs werden die Dividenden direkt reinvestiert: in der Schweiz musst du dennoch den fiktiven Ertrag angeben, der im Kurswert enthalten ist. Dein Broker stellt dir dafür eine Bescheinigung aus.
Vermögenssteuer auf Depotwert
Der Wert deines ETF-Depots am Jahresende muss als Vermögen in der Steuererklärung angegeben werden. Auf diesen Betrag wird in den meisten Kantonen eine (moderate) Vermögenssteuer erhoben.
📋 Steuer-Zusammenfassung für ETF-Anleger in der Schweiz
✅ Keine Kapitalgewinnsteuer (für Privatanleger)
⚠️ Dividenden müssen als Einkommen deklariert werden
⚠️ Verrechnungssteuer 35% auf CH-Dividenden (erstattungsfähig)
⚠️ Stempelabgabe 0,075% / 0,15% pro Transaktion
⚠️ Depotvermögen muss als Vermögen angegeben werden
Top ETFs für Schweizer Anleger: Konkrete Empfehlungen
Welche ETFs eignen sich konkret für einen Schweizer Anleger? Die Antwort hängt von deiner Risikobereitschaft und deinen Zielen ab. Hier sind die beliebtesten Kategorien mit Beispielen:
MSCI World ETF: Der Klassiker
Der MSCI World Index enthält über 1’600 Unternehmen aus 23 Industrieländern. Er ist das Herzstück vieler ETF-Portfolios. Ein bekanntes Beispiel ist der iShares Core MSCI World UCITS ETF (Acc) mit der ISIN IE00B4L5Y983 und einer TER von nur 0,20 Prozent. Der „Acc“ bedeutet thesaurierend: Dividenden werden automatisch reinvestiert. Für Schweizer besonders wichtig: Der ETF hat ein Domizil in Irland, was steuerlich günstig ist (Doppelbesteuerungsabkommen).
SPI: Swiss Performance Index
Wer auch in Schweizer Unternehmen investieren möchte, greift zum SPI. Dieser Index enthält nahezu alle börsenkotierten Schweizer Aktien, von Nestlé und Roche über ABB bis hin zu kleineren Mid- und Small-Caps. Ein bekannter Anbieter ist iShares mit dem iShares Core SPI® ETF (CH). Achte darauf: SPI-ETFs sind oft in Schweizer Franken notiert und haben ein Schweizer Domizil.
SMI-ETF: Die 20 grössten Schweizer
Der SMI (Swiss Market Index) enthält die 20 liquidesten und grössten Schweizer Aktien. Er ist stärker konzentriert als der SPI. iShares und UBS bieten SMI-ETFs an. Wegen der starken Konzentration auf wenige Grosskonzerne (Nestlé, Novartis, Roche machen zusammen über 50 Prozent des Index aus) ist der SMI weniger diversifiziert als der SPI.
MSCI Emerging Markets: Wachstumsmärkte
Wer einen globalen Ansatz verfolgt, ergänzt seinen MSCI World manchmal mit einem Emerging-Markets-ETF. Dieser enthält Unternehmen aus Ländern wie China, Indien, Brasilien und weiteren Schwellenländern. Das Risiko ist höher, ebenso das potenzielle Wachstum. Ein bekannter Anbieter ist der Xtrackers MSCI Emerging Markets UCITS ETF.
FTSE All-World: Alles in einem
Wer es einfach mag, greift zum Vanguard FTSE All-World UCITS ETF. Dieser eine ETF enthält über 3’700 Aktien aus Industrie- und Schwellenländern weltweit. Er ist so diversifiziert wie es nur geht und eignet sich hervorragend als einziger ETF im Portfolio („One-ETF-Portfolio“).
💡 Empfehlung: DEGIRO
[AFFILIATE: DEGIRO]: Platzhalter für Affiliate-Link. Hier kommt nach Abschluss des Affiliate-Programms der Link. DEGIRO gehört zu den günstigsten Brokern für ETF-Käufe in Europa: mit sehr tiefen Handelsgebühren und einer grossen ETF-Auswahl.
💡 Empfehlung: Swissquote
[AFFILIATE: Swissquote]: Platzhalter für Affiliate-Link. Hier kommt nach Abschluss des Affiliate-Programms der Link. Swissquote ist die Schweizer Lösung mit FINMA-Regulierung und vollständigem Steuerauszug: ideal für Anleger, die maximale Rechtssicherheit wollen.
Häufig gestellte Fragen zu ETFs in der Schweiz
Wie viel Geld brauche ich, um mit ETF-Investieren anzufangen?
Theoretisch reicht ein Anteil eines ETF: das können je nach ETF ab 20 Franken sein. Praktisch empfiehlt sich ein Einstieg ab 500 bis 1’000 Franken als Einmalanlage, damit die fixen Transaktionskosten prozentual nicht zu stark ins Gewicht fallen. Bei Sparplänen (monatlich) sind auch 100 bis 200 Franken ein guter Start.
Ist ETF-Investieren sicher?
ETFs sind Sondervermögen: das bedeutet, sie sind rechtlich vom Vermögen des Brokers getrennt. Geht der Broker pleite, ist dein ETF-Vermögen davon nicht betroffen. Dein Depot wird auf deinen Namen übertragen. Das Kursrisiko bleibt natürlich bestehen: ETFs können im Wert fallen, besonders kurzfristig. Langfristig haben breite Aktienindizes jedoch historisch stets positive Renditen erzielt.
Was passiert mit meinen ETFs, wenn ich in die Schweiz ziehe oder auswandere?
Beim Wegzug aus der Schweiz gibt es steuerliche Konsequenzen: Die Schweiz erhebt keine „Wegzugssteuer“ auf unrealisierte Gewinne, wie das Deutschland tut. Du musst jedoch prüfen, welche Regeln im Zielland gelten. Bei einer Schenkung oder Erbschaft gelten in der Schweiz besondere Regeln, die kantonal variieren.
Wann ist der beste Zeitpunkt, ETFs zu kaufen?
Der beste Zeitpunkt war gestern: der zweitbeste ist heute. Seriously: Studien zeigen, dass das Timing des Marktes für Langfristanleger kaum einen Unterschied macht. Wer monatlich investiert (Cost-Averaging), kauft automatisch mal günstig und mal teuer, was das Risiko eines schlechten Einstiegszeitpunkts deutlich reduziert. Der wichtigste Faktor ist: anfangen, drinbleiben, regelmässig investieren.
→ Du möchtest wissen, bei welchem Broker du deine ETFs am günstigsten kaufen kannst? Sieh dir unseren Broker Vergleich Schweiz 2026 an.
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