In 4 Schritten zu geordneten Finanzen
Kein Finanzstudium nötig: Diese vier Schritte bringen Ordnung in dein Geld: für Menschen in der Schweiz, die endlich wissen wollen, wohin ihr Geld fliesst.
Einleitung: Warum geordnete Finanzen so wichtig sind
Die meisten Menschen in der Schweiz verdienen gut. Trotzdem fragen sich am Ende des Monats viele: Wo ist das Geld geblieben? Das Phänomen ist weit verbreitet: Ein überdurchschnittliches Einkommen, aber kein Vermögen. Hohe Kosten in allen Lebensbereichen, kombiniert mit mangelnder Übersicht, führen dazu, dass selbst gut verdienende Haushalte von Monat zu Monat leben: ohne nennenswerte Rücklagen.
Dabei ist es keine Frage der Intelligenz oder des Einkommens. Es ist eine Frage der Struktur. Wer seine Finanzen nicht aktiv gestaltet, überlässt sie dem Zufall. Und der Zufall ist kein guter Finanzberater. Studien zeigen immer wieder, dass Menschen, die einen klaren Überblick über ihre Finanzen haben, nicht nur mehr sparen, sondern auch weniger Stress haben und bessere finanzielle Entscheidungen treffen.
In der Schweiz gibt es zudem spezifische Chancen, die viele nicht nutzen: Das Steuersystem belohnt Vorsorge: wer in die Säule 3a einzahlt, spart jährlich Hunderte bis Tausende von Franken Steuern. Wer früh investiert, profitiert vom Zinseszinseffekt über Jahrzehnte. Und wer die richtigen Finanzprodukte wählt, vermeidet unnötige Gebühren und Zinsverluste.
Dieser Artikel zeigt dir vier klare Schritte, wie du deine Finanzen in Ordnung bringst: von der Bestandsaufnahme bis zum ersten Investment. Du musst nicht alles auf einmal umsetzen. Aber wenn du anfängst, wird sich das Bild schnell klären.
Die 4 Schritte im Überblick
- Schritt 1: Übersicht verschaffen: Einnahmen und Ausgaben kennen
- Schritt 2: Notgroschen aufbauen: Sicherheitspuffer für Unvorhergesehenes
- Schritt 3: Säule 3a starten: Steuerlich optimiert vorsorgen
- Schritt 4: Investieren: Langfristig Vermögen aufbauen
Schritt 1: Übersicht verschaffen
Einnahmen & Ausgaben vollständig erfassen
Du kannst dein Geld nicht sinnvoll einsetzen, wenn du nicht weisst, wie viel kommt und wie viel geht. Dieser erste Schritt klingt simpel: ist aber für die meisten Menschen der entscheidende Durchbruch.
Beginne damit, alle deine Einnahmen aufzulisten. Dazu gehört dein Nettolohn (nach Abzug von AHV, Pensionskasse und Steuern), aber auch Nebeneinkommen, Kinderzulagen, Mieteinnahmen oder sonstige regelmässige Zahlungen. Bei einem Schweizer Angestellten mit einem Bruttolohn von CHF 90’000 pro Jahr ergibt sich nach allen Abzügen typischerweise ein Nettolohn von rund CHF 6’000 bis CHF 6’500 pro Monat: je nach Kanton und persönlicher Situation.
Danach erfasst du alle Ausgaben. Teile diese in fixe und variable Kosten auf:
Fixe Kosten (monatlich gleichbleibend)
- Miete oder Hypothek (in Zürich im Schnitt CHF 1’800–2’500 für 2 Zimmer)
- Krankenkassenprämie (2026 im Schnitt CHF 400–600 pro Person)
- Handyabo, Internet, Streaming-Dienste
- Versicherungen (Hausrat, Privathaftpflicht, Auto)
- Leasingrate oder ÖV-Abonnement
Variable Kosten (schwankend)
- Lebensmittel (Schweizer Durchschnitt: CHF 600–900 pro Monat für Einzelperson)
- Restaurants und Cafés
- Kleidung und Hobbys
- Reisen und Urlaub
- Gesundheitskosten (Franchise, Selbstbehalt)
Das Budgetplan-System: 50/30/20
Eine bewährte Methode ist die 50/30/20-Regel. Sie besagt: 50% des Nettoeinkommens fliessen in Notwendigkeiten (Miete, Krankenkasse, Lebensmittel), 30% in persönliche Wünsche (Restaurants, Reisen, Hobbys) und 20% werden gespart oder investiert. In der Schweiz ist diese Formel durch die hohen Fixkosten etwas weniger flexibel: wer in einer teuren Stadt wie Zürich oder Genf wohnt, kommt mit 50% Fixkosten oft nicht aus. Passe die Formel deiner Situation an, aber das Prinzip bleibt: Ein fixer Sparanteil hat Priorität.
Für die Umsetzung empfiehlt sich ein einfaches Haushaltsbuch. Das kann eine Excel-Tabelle sein, eine dedizierte App (z.B. Spiir, Money Money oder Spendee) oder schlicht eine Notiz auf dem Handy. Wichtig ist, dass du es tatsächlich machst: nicht dass es perfekt ist. Schon nach einem Monat wirst du Muster erkennen, die dir vorher nicht bewusst waren.
Ein häufiges Ergebnis beim ersten Budgetplan: Abonnements und Kleinausgaben, die summiert CHF 200–400 pro Monat ausmachen, ohne dass man sich daran erinnert. Spotify, Netflix, ÖPNV-App, Zeitungsabo, Gym-Mitgliedschaft, die man kaum nutzt: diese „Stille-Kosten“ laufen unbewusst und sind oft die erste grosse Sparmöglichkeit.
Schritt 2: Notgroschen aufbauen
Den finanziellen Sicherheitspuffer schaffen
Bevor du einen Franken investierst oder in die Säule 3a einzahlst, brauchst du einen Notgroschen. Dieser Puffer ist dein Schutzschirm gegen das Leben: und das Leben ist unberechenbar.
Ein Notgroschen sind 3 bis 6 Monatsausgaben, die auf einem leicht zugänglichen Konto liegen. Das ist kein Luxus: das ist Grundlage. Was passiert ohne Notgroschen? Du verlierst deinen Job, das Auto geht kaputt, du hast einen Unfall oder eine unerwartete Arztrechnung: Ohne Puffer bist du gezwungen, Geld aus dem Investment zu nehmen (oft im schlechtesten Moment), Schulden zu machen oder die 3a-Gelder zu blockieren.
Wie viel brauchst du konkret?
Angenommen, deine monatlichen Ausgaben betragen CHF 4’500. Dann brauchst du einen Notgroschen von CHF 13’500 (3 Monate) bis CHF 27’000 (6 Monate). Das klingt nach viel: aber du musst diese Summe nicht auf einmal ansparen. Starte mit einem Minimumsiel von CHF 1’000, dann CHF 3’000, dann 3 Monate.
Den Notgroschen parkierst du auf einem Sparkonto mit möglichst gutem Zinssatz: nicht im Portemonnaie, nicht auf dem gleichen Konto wie dein Alltagsgeld (sonst gibst du ihn aus) und nicht in ETFs oder der Säule 3a (zu wenig liquide oder nicht flexibel genug). Aktuelle Sparkonten zahlen in der Schweiz je nach Anbieter zwischen 0.5% und 1.5% Zinsen.
💡 Empfehlung: Neon Konto
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Detailliertere Informationen zum Notgroschen, inklusive Sparkonto-Vergleich, findest du in unserem Artikel:
Weiterführend
Notgroschen aufbauen: So geht’s in der Schweiz →Schritt 3: Säule 3a starten
Steuerlich optimiert fürs Alter vorsorgen
Die Säule 3a ist das Beste, was das Schweizer Steuersystem dir zu bieten hat. Wer sie nicht nutzt, verschenkt jährlich bares Geld: in Form von Steuerabzügen, die du nicht einfordern kannst.
Die Säule 3a ist die freiwillige, private Altersvorsorge in der Schweiz. Der entscheidende Vorteil: Jeder Franken, den du einzahlst, reduziert dein steuerbares Einkommen. Im Jahr 2026 kannst du als Angestellter bis zu CHF 7’258 pro Jahr in die Säule 3a einzahlen. Wer Selbstständiger ist, darf 20% des Nettoerwerbseinkommens einzahlen, maximal CHF 36’288 pro Jahr.
Was bedeutet das in Franken?
Angenommen, du wohnst in Zürich und verdienst CHF 90’000 brutto. Dein Grenzsteuersatz liegt bei rund 28%. Wenn du CHF 7’258 in die Säule 3a einzahlst, sparst du circa CHF 2’032 Steuern pro Jahr. Das entspricht einem sofortigen, garantierten Ertrag von 28% auf deine Einzahlung: kein ETF der Welt schlägt das zuverlässig.
Zudem wächst das Geld in der Säule 3a steuerfrei an. Dividenden, Kursgewinne und Zinsen werden während der Laufzeit nicht besteuert. Erst bei der Auszahlung fällt eine einmalige, reduzierte Steuer an: die im Vergleich zur laufenden Einkommenssteuer deutlich tiefer liegt.
Welcher Anbieter für die Säule 3a?
Traditionelle 3a-Bankkonten bei Kantonalbanken oder Grossbanken bieten meist sehr tiefe Zinsen (0.1–0.5%) und damit kaum reale Rendite. Die bessere Wahl für die meisten Menschen: Ein 3a-Konto mit ETF-Investition, angeboten von Anbietern wie VIAC, finpension oder Frankly. Diese investieren dein 3a-Geld zu einem grossen Teil in kostengünstige Weltaktien-ETFs und erzielen langfristig deutlich höhere Renditen als reine Sparkonten.
Als Faustregel gilt: Wer noch mindestens 10 Jahre bis zur Pensionierung hat, sollte einen möglichst hohen Aktienanteil in der Säule 3a wählen. Wer näher an der Pensionierung ist, reduziert schrittweise das Risiko.
Weiterführend
Säule 3a erklärt: Alles was du wissen musst →Wann soll ich mit der Säule 3a starten?
Sofort: unabhängig von deinem Alter. Jedes Jahr, das du wartest, kostet dich Steuerersparnisse und Zinseszinseffekt. Selbst wenn du nur CHF 200 pro Monat einzahlen kannst: Das sind CHF 2’400 pro Jahr, die du vom steuerbaren Einkommen abziehen kannst. Und in 30 Jahren können aus CHF 2’400 jährlicher Einzahlung bei einer jährlichen Rendite von 6% über CHF 200’000 werden.
Schritt 4: Investieren
Langfristig Vermögen aufbauen mit ETF-Sparplan
Wer Notgroschen hat und die Säule 3a maximal ausschöpft, ist bereit für den nächsten Schritt: freies, langfristiges Investieren ausserhalb der Vorsorge.
Investieren klingt nach etwas für Experten mit viel Kapital. Das Gegenteil ist wahr. Dank ETFs (Exchange Traded Funds) kann heute jeder mit wenigen Franken in Tausende Unternehmen weltweit investieren: mit minimalen Kosten und ohne Finanzwissen. Ein ETF bildet einfach einen Index nach, zum Beispiel den MSCI World oder den S&P 500, und enthält damit Hunderte bis Tausende von Aktien auf einmal.
Warum ETF-Sparpläne?
Der Vorteil eines Sparplans ist die Automatisierung: Du legst einmal fest, dass monatlich ein fixer Betrag: zum Beispiel CHF 300: in einen ETF investiert wird. Dann passiert alles von selbst. Du profitierst vom sogenannten Cost-Averaging-Effekt: Mal kaufst du teurer, mal günstiger: über Zeit gleicht sich das aus und du schützt dich vor dem Timing-Risiko.
Historisch gesehen hat der MSCI World Index über 20-Jahres-Perioden fast immer positive Renditen erzielt: im langfristigen Durchschnitt rund 7–9% pro Jahr. Natürlich ohne Garantie: aber kein anderes Instrument bietet historisch bessere risikobereinigte Renditen für Privatanleger.
Den richtigen Broker wählen
Für Schweizer Investoren gibt es mehrere gute Optionen. Günstige Online-Broker wie Swissquote, IBKR (Interactive Brokers) oder Neon Invest ermöglichen ETF-Käufe zu tiefen Kosten. Achte bei der Wahl auf: Depotgebühren, Transaktionskosten pro Kauf, Währungsgebühren und die Auswahl an ETFs.
Tipp: Halte die Komplexität tief. Ein einziger Weltaktien-ETF wie der Vanguard FTSE All-World oder der iShares MSCI World ist für die meisten Menschen ausreichend. Du brauchst kein Portfolio aus zwanzig verschiedenen ETFs: das erhöht nur die Komplexität ohne echten Mehrwert.
Wie viel sollte ich investieren?
Eine einfache Faustregel: Investiere mindestens 10–20% deines Nettoeinkommens. Bei einem Nettolohn von CHF 6’000 wären das CHF 600–1’200 pro Monat. Davon gehen CHF 200–300 in die Säule 3a (falls du nicht den Maximalbetrag ausschöpfst) und der Rest in den freien ETF-Sparplan. Wenn du noch keinen Notgroschen hast, priorisiere zuerst diesen.
Beispiel-Rechnung: ETF-Sparplan über 25 Jahre
Monatliche Einzahlung: CHF 500
Jährliche Rendite: 7% (historischer Durchschnitt MSCI World)
Laufzeit: 25 Jahre
Ergebnis: Eingezahltes Kapital CHF 150’000: Endwert ca. CHF 405’000. Der Zinseszinseffekt hat also über CHF 255’000 an Vermögen geschaffen, ohne zusätzliche Arbeit.
Zusammenfassung: Dein Aktionsplan
Geordnete Finanzen sind keine Frage des Einkommens, sondern des Systems. Wenn du die vier Schritte in dieser Reihenfolge umsetzt, baust du auf einem soliden Fundament auf: und vermeidest die häufigsten Fehler, die Schweizerinnen und Schweizer mit gutem Einkommen machen.
Diese Woche: Erstelle eine einfache Ausgabenübersicht der letzten drei Monate. Nutze deine Bank-App oder exportiere Kontoauszüge. Schreibe die Kategorien auf und identifiziere Ausgaben, die du sofort reduzieren könntest.
Diesen Monat: Richte ein separates Sparkonto für den Notgroschen ein und überweise den ersten Betrag. Auch CHF 500 als Start sind besser als nichts.
Dieses Quartal: Eröffne ein 3a-Konto bei VIAC, finpension oder Frankly und richte einen monatlichen Dauerauftrag ein. Schon CHF 200 pro Monat sind ein Anfang.
Dieses Jahr: Sobald der Notgroschen steht und die 3a läuft, öffne ein Brokerkonto und investiere regelmässig in einen breiten ETF. Dein zukünftiges Ich wird es dir danken.
Als nächstes lesen
Notgroschen aufbauen: So geht’s in der Schweiz →Bereit für den ersten Schritt?
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